Mittwoch, 17. Juni 2026. Von Musik, Tanz und Applaus ist am frühen Morgen noch nichts zu hören. Gegen 7.30 Uhr füllt sich der Parkplatz an der Bürgerhalle. Die meisten der 16 Reisebusse stehen bereits bereit. Rucksäcke werden über die Schultern geworfen, Brotdosen verschwinden in den Taschen, Treffpunkte werden gesucht, Busnummern verglichen, 1.600 Brötchen auf die Busse gerecht verteilt. Einige Schüler*innen wirken noch verschlafen, andere können ihre Vorfreude kaum verbergen. Fast 1.000 Menschen aus der Schulgemeinschaft machen sich gemeinsam auf den Weg nach Norderney – zu einem Wandertag, wie ihn die Gesamtschule Gronau bislang noch nicht erlebt hat.

Schon die Zahl macht deutlich, wie außergewöhnlich dieser Ausflug ist. Nicht eine Klasse fährt los, nicht ein Jahrgang, sondern die ganze Schule: Schüler*innen aus der Sekundarstufe I und II, Lehrkräfte, Mitarbeitende, Begleitpersonen. Eine Schulgemeinschaft, verteilt auf 16 Busse, unterwegs zu einer Insel.

Spätestens am Fähranleger in Norddeich wird daraus ein Bild, das vielen in Erinnerung bleiben dürfte. Hunderte Schüler*innen steigen aus, orientieren sich und gehen schließlich an Bord. Schon die Überfahrt wird für viele zu einem Erlebnis. Manche stehen zum ersten Mal auf einer Fähre, beobachten Möwen oder suchen den besten Platz an der Reling. Noch ahnt niemand, wie viel Stimmung auf genau diesem Schiff am Abend herrschen wird.
„Ich war noch nie auf einer Fähre. Allein das war schon richtig cool.“ – Mika Kentrup, Klasse 5c
Während viele Schüler*innen das Schiff erkunden, ergibt sich für Ursula Steuer ein besonderer Moment: Auf der Brücke kommt sie mit dem Kapitän ins Gespräch und erhält einen Blick hinter die Kulissen der Überfahrt. Es ist eine ruhige Szene mitten in einem Tag, der sonst von Bewegung, Stimmen und Vorfreude geprägt ist.


Auf Norderney angekommen, verteilt sich die Schule über die Insel. Genau darin liegt ein Teil des Reizes dieses Tages. Es gibt nicht den einen Weg, nicht das eine Programm, das alle gleichzeitig absolvieren. Manche Klassen gehen durch den Ort, andere zieht es Richtung Strand oder durch die Dünen. Einige essen gemeinsam Pommes, andere suchen sich einen Platz am Meer, wieder andere laufen einfach los und entdecken die Insel auf eigene Weise.
Immer wieder begegnen sich dabei bekannte Gesichter. Schüler*innen aus unterschiedlichen Jahrgängen treffen aufeinander, Lehrkräfte laufen ihren Schüler*innen plötzlich nicht auf dem Flur, sondern zwischen Dünen und Strandkörben über den Weg. Aus einem Wandertag wird so immer wieder ein Tag der kleinen Begegnungen.

Am Nordstrand ist besonders viel los. Schüler*innen aus der Q2 haben dort Aktionen vorbereitet: Volleyball, Drachenfliegen und Sandburgenbauen. Gelbe Warnwesten zeigen, wo es etwas zu tun gibt. Bälle fliegen durch die Luft, Drachen steigen in den grauen Himmel, im Sand entstehen Burgen, Formen und Motive. An manchen Stellen wird konzentriert gebaut, an anderen laut angefeuert. Ein paar Meter weiter läuft ein Fußballspiel, bei dem längst nicht mehr entscheidend ist, wer eigentlich zu welcher Klasse gehört.

„Ich fand schön, dass man ständig Leute aus anderen Jahrgängen getroffen hat. Dadurch hat sich unsere Schule noch mehr wie eine Gemeinschaft angefühlt.“– Joris Funke, Q1
Das Wetter macht es der Schulgemeinschaft dabei nicht immer leicht. Immer wieder ziehen Regenschauer über die Insel, der Wind bleibt ein ständiger Begleiter. Doch das passt zu Norderney an diesem Tag. Regenjacken werden geschlossen, Kapuzen hochgezogen, Taschen enger gepackt. Dann geht es weiter. Die Stimmung kippt nicht. Vielleicht auch deshalb, weil der Tag nicht davon lebt, dass alles perfekt ist.
Nicht alle waren vor der Fahrt sofort überzeugt. Für einen einzigen Tag an die Nordsee, morgens früh los, abends spät zurück – ob sich das lohnt? Diese Frage war im Vorfeld häufiger zu hören. Auf der Insel bekommt sie eine andere Antwort.
„Ich hab zuerst gedacht: So weit fahren – und dann nur für einen Tag? Aber am Ende war's echt richtig gut.“– Noel Citgez, Klasse 10b
Vielleicht liegt genau darin die Stärke dieses Tages. Es geht nicht darum, möglichst viele Programmpunkte abzuhaken. Es geht um Zeit außerhalb des gewohnten Rahmens. Um Gespräche, die im Unterricht nicht entstehen. Um gemeinsames Lachen im Regen, um Wind im Gesicht, um eine Fähre voller Schüler*innen, um kleine Wettbewerbe im Sand und um den Moment, in dem Schule plötzlich an einem ganz anderen Ort stattfindet.
„Im Unterricht begegnen wir den Schüler*innen natürlich jeden Tag. Aber an so einem Tag sieht man noch einmal andere Seiten: wie sie miteinander umgehen, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig mitziehen. Und ganz ehrlich – es macht einfach Spaß, Schule auch einmal so zu erleben.“– Frau Denise Hilgenberg, Lehrerin
Dass die Fahrt auf eine Idee von Ursula Steuer zurückgeht, wird dabei nicht ständig betont. Und doch gehört es zu diesem Tag dazu. Zum Ende ihrer Zeit als Schulleiterin wünschte sie sich keinen Tag, der allein um ihre Person kreist, sondern ein gemeinsames Erlebnis für möglichst viele. Genau das entsteht auf Norderney: kein offizieller Abschied, keine Bühne, keine langen Reden – sondern eine ganze Schule, die miteinander unterwegs ist.
„Mir war wichtig, dass wir als Schulgemeinschaft noch einmal gemeinsam unterwegs sind. Zu sehen, wie viele schöne Momente an diesem Tag entstanden sind, hat mich sehr berührt.“ – Schulleiterin Ursula Steuer

Als die Fähre am Abend wieder Kurs auf das Festland nimmt, ist von Müdigkeit zunächst wenig zu spüren. Die Rückfahrt wird laut, lebendig, fast ein wenig zur Party. Musik läuft, Schüler*innen singen und tanzen, immer wieder brandet Applaus auf. Lehrkräfte stehen dazwischen, manche filmen, andere lachen einfach mit. Und Ursula Steuer ist nicht am Rand dieser Szene, sondern mittendrin.

Gerade diese Bilder erzählen viel über den Tag. Am Morgen stehen fast 1.000 Menschen noch in Gruppen an Bussen und warten auf die Abfahrt. Am Abend tanzen sie gemeinsam auf einer Fähre. Dazwischen liegen Regen, Wind, Strand, Ort, Pommes, Drachen, Sandburgen, Gespräche, Lachen und viele kleine Momente, die kein Ablaufplan vorher festlegen kann.
In Norddeich warten schließlich wieder die Busse. Die Stimmung nimmt die Schulgemeinschaft noch ein Stück mit auf die Rückfahrt. In einigen Bussen wird weiter gesungen und erzählt, in anderen fallen den ersten Schüler*innen längst die Augen zu. Irgendwann wird es ruhiger. Nach und nach rollen die Busse wieder an der Bürgerhalle in Gronau ein. Als auch der letzte Bus kurz nach halb eins angekommen ist, liegt ein außergewöhnlich langer Tag hinter der Schulgemeinschaft. Die Musik von der Fähre ist da längst verstummt. Geblieben ist etwas anderes.
Vielleicht bleibt dieser Tag gerade deshalb so vielen in Erinnerung. Weil zwischen Fähre, Strand, Wind, Busfahrt und unzähligen kleinen Begegnungen noch einmal sichtbar wurde, was Schule neben dem Unterricht eben auch ist: eine Gemeinschaft.
Und weil Schule an diesem Tag für einen Moment einmal keine Schule war.
Seit der Gründung für die Gesamtschule Gronau engagiert
Mit dem Ende dieses Schuljahres verabschiedet sich Schulleiterin Ursula Steuer in den Ruhestand. Seit der Gründung der Gesamtschule Gronau im Jahr 2014 ist Ursula Steuer Schulleiterin der Schule und gestaltet ihre Entwicklung von Beginn an gemeinsam mit dem Kollegium, den Mitarbeiter*innen, den Schüler*innen und ihren Familien. In dieser Zeit wächst die Schule Schritt für Schritt – bis zum ersten Abiturjahrgang im Jahr 2023.
Die gemeinsame Fahrt nach Norderney geht auf ihre Idee zurück. Dass sie nun ausgerechnet den Abschluss ihrer Zeit an der Gesamtschule Gronau bildet, verleiht diesem Tag eine besondere Bedeutung. Gleichzeitig steht die Fahrt für das, was Ursula Steuer in den vergangenen Jahren immer wichtig war: Schule als Ort des gemeinsamen Lernens, aber auch als Ort der Begegnung, des Miteinanders und der gelebten Gemeinschaft.
weitere Eindrücke: (noch mehr Bilder folgen in Kürze)






























