„Es ist gut, so wie es ist. Es geht gut weiter.“ – Die Gesamtschule Gronau verabschiedet ihre Gründungsschulleiterin Ursula Steuer

Ursula Steuer sitzt auf einer roten Couch im Foyer der Gesamtschule Gronau neben einer Schülerin mit hellgrünem Kopftuch und legt ihr den Arm auf die Schulter. Beide lächeln einander an. Weitere Schülerinnen stehen und sitzen um die Couch, im Hintergrund sind selbst gestaltete Abschiedsplakate zu sehen. Die Szene vermittelt Nähe, Wertschätzung und einen persönlichen Abschied.
Für viele Schülerinnen und Schüler war der Abschied auch ein ganz persönlicher Moment. Im Foyer blieb Zeit für Gespräche, Erinnerungen und Begegnungen, die über den Schulalltag hinausreichen.

Noch bevor am Mittag die ersten Reden gehalten, Urkunden überreicht und musikalische Beiträge gespielt wurden, nahm sich die Gründungsschulleiterin der Gesamtschule Gronau fast zwei Stunden lang Zeit für genau das. Schülerinnen und Schüler kamen mit selbst gestalteten Karten, kleinen Geschenken oder einfach mit einer Geschichte vorbei. Manche wollten sich bedanken, andere noch einmal erzählen, was sie mit ihrer Schulleiterin erlebt hatten. Es wurde gelacht, umarmt und erzählt. Immer wieder blieb Zeit für einen persönlichen Moment.
Besonders bewegend war der Beitrag der DAZ-Schülerinnen und -Schüler. Sie hatten ihre Wünsche für Ursula Steuer auf Deutsch und in ihren Herkunftssprachen aufgeschrieben. Einige davon ließ sie sich zunächst auf Deutsch und anschließend noch einmal in der jeweiligen Muttersprache vorlesen. Ein leiser Moment, der den Raum für einen Augenblick ganz still werden ließ.

Ursula Steuer sitzt im Foyer der Gesamtschule Gronau gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern eines von ihr unterrichteten Kurses auf einer roten Couch und zwischen Sitzhockern. Die Gruppe hat sich für ein gemeinsames Erinnerungsfoto versammelt und posiert mit ausgestreckten Armen. Es handelt sich um den Kurs Darstellen und Gestalten, den Ursula Steuer bis zuletzt unterrichtete. Im Hintergrund sind selbst gestaltete Abschiedsbilder, Fotowände und Dekorationen zu sehen.
Zum Abschied entstand noch einmal ein gemeinsames Erinnerungsfoto mit Schüler*innen eines der Kurse, die Ursula Steuer bis zuletzt unterrichtete – Darstellen und Gestalten im Jahrgang 9

Bereits am Morgen war Ursula Steuer in einem Oldtimer auf den Schulhof gefahren. Dort empfingen sie Schülerinnen und Schüler sowie das Kollegium mit einem Spalier und lang anhaltendem Applaus. Für Wehmut blieb dennoch kaum Zeit. Später sagte sie mit einem Lächeln, der Tag sei so voller Begegnungen gewesen, dass sie „seit heute Morgen um 9 Uhr gar keine Zeit hatte nachzudenken, ob ich traurig werden könnte oder ob mir Tränen kommen könnten“.

Ursula Steuer sitzt lächelnd auf der Rückbank eines weißen Oldtimers und winkt aus dem geöffneten Seitenfenster. Im Hintergrund stehen unscharf Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Mitarbeitende auf dem Schulhof und erwarten ihre Ankunft.
Mit einem Lächeln und einem letzten Winken begann Ursula Steuer ihre Fahrt in einen ganz besonderen Abschiedstag.

Eine Schule entsteht gemeinsam

Am Mittag folgte der offizielle Festakt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Schulaufsicht, Elternschaft, Schülervertretung, den Gronauer Schulen sowie zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter würdigten das Wirken der scheidenden Schulleiterin. Musikalische Beiträge, Klavierstücke und die Musical-AG verliehen der Feier einen feierlichen und zugleich persönlichen Rahmen. Ein besonderer Moment war die Überreichung der Urkunde zur Versetzung in den Ruhestand durch die Dezernentin Kathi Kösters. Mit den Worten

„Wir wissen, was du geleistet hast und was diese Schule leistet.“

brachte sie die Wertschätzung für Ursula Steuer und zugleich für die Entwicklung der Gesamtschule Gronau auf den Punkt.

Dezernentin Kathi Kösters und Ursula Steuer sitzen während des Festakts nebeneinander in der ersten Reihe. Beide lächeln sich an und unterhalten sich. Im Hintergrund sitzen zahlreiche Gäste der Verabschiedungsfeier und verfolgen das Programm.
Ein Lächeln zwischendurch – Ein herzlicher Moment zwischen Dezernentin Kathi Kösters und Ursula Steuer während des Festakts.

Seit der Gründung der Gesamtschule Gronau im Jahr 2014 leitete Ursula Steuer die Schule als Gründungsschulleiterin und gestaltete ihre Entwicklung von Beginn an entscheidend mit. Gemeinsam mit Kollegium, Mitarbeitenden, Schülerinnen und Schülern sowie ihren Familien entwickelte sich die Schule Schritt für Schritt – bis zum ersten Abiturjahrgang im Jahr 2023. Zuvor war sie bereits elf Jahre Schulleiterin der Pestalozzischule in Gronau. Insgesamt blickt sie auf über 20 Jahre Schulleitung in Gronau zurück.
Doch wer den Redebeiträgen zuhörte, merkte schnell: An diesem Tag ging es nicht in erster Linie um Ämter, Projekte oder Zahlen. Es ging um Menschen.

Geschichten statt Bilanz

Als Ursula Steuer schließlich selbst ans Rednerpult trat, verzichtete sie weitgehend auf einen Rückblick ihrer eigenen Leistungen. Sie sprach nicht darüber, was sie erreicht hatte. Sie sprach darüber, mit wem sie es erreicht hatte. Dass sie dabei zuerst von Menschen sprach und nicht von Erfolgen, überraschte an diesem Tag wohl niemanden.

Das Schulleitungsteam der Gesamtschule Gronau steht gemeinsam mit Ursula Steuer auf der Bühne. Während eine Ansprache gehalten wird, verfolgen die Schulleitungsmitglieder den Moment. Eine Person ist teilweise verdeckt. Die Szene zeigt die langjährige Zusammenarbeit und den gemeinsamen Abschied.
Das Schulleitungsteam verabschiedete Ursula Steuer mit persönlichen Worten, gemeinsamen Erinnerungen und vielen kleinen Anekdoten aus Jahren enger Zusammenarbeit.

Sie dankte den Schülerinnen und Schülern, Eltern und ehemaligen Eltern, dem Kollegium und ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, den Schulbegleitungen, den Mitarbeiterinnen im Sekretariat, den Hausmeistern, dem Reinigungsteam, den Schulleitungen der Gronauer Grundschulen und weiterführenden Schulen – und schließlich ihrer Familie.
Dabei betonte sie, dass „immer konstruktiv mit uns gearbeitet“ worden sei und sich „immer ein paar gefunden haben, die unsere Ideen vorantreiben“. Es war kein Rückblick auf persönliche Erfolge, sondern auf das, was gemeinsam entstanden ist.
Immer wieder erzählte sie Geschichten.
Eine handelte von einem Versprechen: Als bei der Abiturfeier 2023 kurzfristig ein Schüler die musikalische Begleitung am Klavier übernommen hatte, versprach sie ihm, bei seinem eigenen Abitur gemeinsam mit ihm zu musizieren. Zwei Jahre später hielt sie Wort. Obwohl sie das Cellospiel erst kurz zuvor begonnen hatte und – wie sie lachend zugab – kaum Zeit zum Üben gefunden hatte, stand sie gemeinsam mit ihm auf der Bühne.

Collage aus zwei Fotografien: Auf dem größeren Bild spielt Ursula Steuer in festlicher Kleidung konzentriert Cello auf einer Bühne. Auf dem kleineren Bild steht sie lächelnd mit ihrem Cello neben einem ehemaligen Schüler, der einen hellen Anzug trägt. Beide blicken in die Kamera und wirken nach ihrem gemeinsamen musikalischen Auftritt gelöst und stolz.
Diese Geschichte erzählt viel über Ursula Steuer: Einem Schüler versprach sie, ihn bei seiner Abiturfeier auf dem Cello zu begleiten. 2025 hielt sie Wort.

Eine andere Geschichte begann mit den Worten:


„Junia, ich erinnere mich noch daran, wie wir damals in Berlin in der U-Bahn ...“

Weiter kam sie nicht. „Stopp!“, rief die ehemalige Schülersprecherin lachend aus dem Publikum. Der ganze Saal lachte mit. Für Heiterkeit sorgten auch Videos eines gemeinsamen Besuchs im Rock'n'Popmuseum. Karaoke-Auftritte der Sekretärinnen und des Kollegiums brachten das Publikum ebenso zum Lachen wie zum Mitsingen. 
Zwischen all den Erinnerungen wurde es plötzlich still. Ursula Steuer erinnerte an den kürzlich verstorbenen Kollegen Stephan Schulte-Rehers. 

„Ich bin sicher, der ist heute in Gedanken ganz fest bei uns.“

 

Mit Dankbarkeit nach vorn

Neben den vielen bewegenden Momenten blieb auch Platz für Humor. Mit einem Augenzwinkern bemerkte Ursula Steuer, sie sei an diesem Tag „überschüttet worden wie eine warme Dusche – okay, die war schon fast heiß“.  Bevor sie zum gemeinsamen Anstoßen einlud, richtete sie ihren letzten Dank an ihre Familie. Besonders ihrem Mann dankte sie dafür, dass er in den vergangenen Jahren – und besonders in den letzten Wochen – immer wieder versucht habe, dafür zu sorgen, „dass ich etwas Essbares bekomme“.
Zum Abschluss ihrer Rede sagte sie:

„Es ist gut, so wie es ist. Es geht gut weiter.“
Ursula Steuer hält während ihrer offiziellen Verabschiedung an der Gesamtschule Gronau ihre Abschiedsrede am Rednerpult; im Hintergrund ist eine Präsentation mit einem „Danke“-Motiv zu sehen.
Nach vielen Worten des Dankes gehörte schließlich auch ihr selbst das Wort. Dankbar blickte Ursula Steuer auf ihre gemeinsame Zeit mit der Schulgemeinschaft zurück – und mit Zuversicht auf das, was bleibt.

Mit lang anhaltendem Applaus endete der offizielle Teil der Verabschiedung.

Der Tag war damit jedoch noch nicht zu Ende. Beim traditionellen „School's Out“ kamen Kolleginnen und Kollegen, ehemalige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter sowie Freundinnen und Freunde der Schule zusammen, um gemeinsam Erinnerungen auszutauschen und auf viele gemeinsame Jahre anzustoßen. Am Donnerstag verabschiedet sich schließlich auch die Schulgemeinschaft beim letzten Schultag vor den Sommerferien noch einmal von ihrer langjährigen Schulleiterin. 
Ein Abschied wie dieser endet nicht mit dem letzten Applaus. Er klingt in Gesprächen nach, lebt in gemeinsamen Erinnerungen weiter und setzt sich dort fort, wo Menschen einander wiederbegegnen.


Ursula Steuer auf einen Blick

  • Schulleiterin der Pestalozzischule Gronau (2003–2014)
  • Gründungsschulleiterin der Gesamtschule Gronau (2014–2026)
  • Aufbau der Gesamtschule bis zum ersten 10er-Abschluss 2020 und zum ersten Abiturjahrgang 2023
  • Mehr als 15 Jahre Schulleitung in Gronau


Weitere Fotos (mehr folgen in Kürze):