
Noch bevor am Mittag die ersten Reden gehalten, Urkunden überreicht und musikalische Beiträge gespielt wurden, nahm sich die Gründungsschulleiterin der Gesamtschule Gronau fast zwei Stunden lang Zeit für genau das. Schülerinnen und Schüler kamen mit selbst gestalteten Karten, kleinen Geschenken oder einfach mit einer Geschichte vorbei. Manche wollten sich bedanken, andere noch einmal erzählen, was sie mit ihrer Schulleiterin erlebt hatten. Es wurde gelacht, umarmt und erzählt. Immer wieder blieb Zeit für einen persönlichen Moment.
Besonders bewegend war der Beitrag der DAZ-Schülerinnen und -Schüler. Sie hatten ihre Wünsche für Ursula Steuer auf Deutsch und in ihren Herkunftssprachen aufgeschrieben. Einige davon ließ sie sich zunächst auf Deutsch und anschließend noch einmal in der jeweiligen Muttersprache vorlesen. Ein leiser Moment, der den Raum für einen Augenblick ganz still werden ließ.

Bereits am Morgen war Ursula Steuer in einem Oldtimer auf den Schulhof gefahren. Dort empfingen sie Schülerinnen und Schüler sowie das Kollegium mit einem Spalier und lang anhaltendem Applaus. Für Wehmut blieb dennoch kaum Zeit. Später sagte sie mit einem Lächeln, der Tag sei so voller Begegnungen gewesen, dass sie „seit heute Morgen um 9 Uhr gar keine Zeit hatte nachzudenken, ob ich traurig werden könnte oder ob mir Tränen kommen könnten“.

Eine Schule entsteht gemeinsam
Am Mittag folgte der offizielle Festakt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Schulaufsicht, Elternschaft, Schülervertretung, den Gronauer Schulen sowie zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter würdigten das Wirken der scheidenden Schulleiterin. Musikalische Beiträge, Klavierstücke und die Musical-AG verliehen der Feier einen feierlichen und zugleich persönlichen Rahmen. Ein besonderer Moment war die Überreichung der Urkunde zur Versetzung in den Ruhestand durch die Dezernentin Kathi Kösters. Mit den Worten
„Wir wissen, was du geleistet hast und was diese Schule leistet.“
brachte sie die Wertschätzung für Ursula Steuer und zugleich für die Entwicklung der Gesamtschule Gronau auf den Punkt.

Seit der Gründung der Gesamtschule Gronau im Jahr 2014 leitete Ursula Steuer die Schule als Gründungsschulleiterin und gestaltete ihre Entwicklung von Beginn an entscheidend mit. Gemeinsam mit Kollegium, Mitarbeitenden, Schülerinnen und Schülern sowie ihren Familien entwickelte sich die Schule Schritt für Schritt – bis zum ersten Abiturjahrgang im Jahr 2023. Zuvor war sie bereits elf Jahre Schulleiterin der Pestalozzischule in Gronau. Insgesamt blickt sie auf über 20 Jahre Schulleitung in Gronau zurück.
Doch wer den Redebeiträgen zuhörte, merkte schnell: An diesem Tag ging es nicht in erster Linie um Ämter, Projekte oder Zahlen. Es ging um Menschen.
Geschichten statt Bilanz
Als Ursula Steuer schließlich selbst ans Rednerpult trat, verzichtete sie weitgehend auf einen Rückblick ihrer eigenen Leistungen. Sie sprach nicht darüber, was sie erreicht hatte. Sie sprach darüber, mit wem sie es erreicht hatte. Dass sie dabei zuerst von Menschen sprach und nicht von Erfolgen, überraschte an diesem Tag wohl niemanden.

Sie dankte den Schülerinnen und Schülern, Eltern und ehemaligen Eltern, dem Kollegium und ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, den Schulbegleitungen, den Mitarbeiterinnen im Sekretariat, den Hausmeistern, dem Reinigungsteam, den Schulleitungen der Gronauer Grundschulen und weiterführenden Schulen – und schließlich ihrer Familie.
Dabei betonte sie, dass „immer konstruktiv mit uns gearbeitet“ worden sei und sich „immer ein paar gefunden haben, die unsere Ideen vorantreiben“. Es war kein Rückblick auf persönliche Erfolge, sondern auf das, was gemeinsam entstanden ist.
Immer wieder erzählte sie Geschichten.
Eine handelte von einem Versprechen: Als bei der Abiturfeier 2023 kurzfristig ein Schüler die musikalische Begleitung am Klavier übernommen hatte, versprach sie ihm, bei seinem eigenen Abitur gemeinsam mit ihm zu musizieren. Zwei Jahre später hielt sie Wort. Obwohl sie das Cellospiel erst kurz zuvor begonnen hatte und – wie sie lachend zugab – kaum Zeit zum Üben gefunden hatte, stand sie gemeinsam mit ihm auf der Bühne.

Eine andere Geschichte begann mit den Worten:
„Junia, ich erinnere mich noch daran, wie wir damals in Berlin in der U-Bahn ...“
Weiter kam sie nicht. „Stopp!“, rief die ehemalige Schülersprecherin lachend aus dem Publikum. Der ganze Saal lachte mit. Für Heiterkeit sorgten auch Videos eines gemeinsamen Besuchs im Rock'n'Popmuseum. Karaoke-Auftritte der Sekretärinnen und des Kollegiums brachten das Publikum ebenso zum Lachen wie zum Mitsingen.
Zwischen all den Erinnerungen wurde es plötzlich still. Ursula Steuer erinnerte an den kürzlich verstorbenen Kollegen Stephan Schulte-Rehers.
„Ich bin sicher, der ist heute in Gedanken ganz fest bei uns.“
Mit Dankbarkeit nach vorn
Neben den vielen bewegenden Momenten blieb auch Platz für Humor. Mit einem Augenzwinkern bemerkte Ursula Steuer, sie sei an diesem Tag „überschüttet worden wie eine warme Dusche – okay, die war schon fast heiß“. Bevor sie zum gemeinsamen Anstoßen einlud, richtete sie ihren letzten Dank an ihre Familie. Besonders ihrem Mann dankte sie dafür, dass er in den vergangenen Jahren – und besonders in den letzten Wochen – immer wieder versucht habe, dafür zu sorgen, „dass ich etwas Essbares bekomme“.
Zum Abschluss ihrer Rede sagte sie:
„Es ist gut, so wie es ist. Es geht gut weiter.“

Mit lang anhaltendem Applaus endete der offizielle Teil der Verabschiedung.
Der Tag war damit jedoch noch nicht zu Ende. Beim traditionellen „School's Out“ kamen Kolleginnen und Kollegen, ehemalige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter sowie Freundinnen und Freunde der Schule zusammen, um gemeinsam Erinnerungen auszutauschen und auf viele gemeinsame Jahre anzustoßen. Am Donnerstag verabschiedet sich schließlich auch die Schulgemeinschaft beim letzten Schultag vor den Sommerferien noch einmal von ihrer langjährigen Schulleiterin.
Ein Abschied wie dieser endet nicht mit dem letzten Applaus. Er klingt in Gesprächen nach, lebt in gemeinsamen Erinnerungen weiter und setzt sich dort fort, wo Menschen einander wiederbegegnen.
Ursula Steuer auf einen Blick
- Schulleiterin der Pestalozzischule Gronau (2003–2014)
- Gründungsschulleiterin der Gesamtschule Gronau (2014–2026)
- Aufbau der Gesamtschule bis zum ersten 10er-Abschluss 2020 und zum ersten Abiturjahrgang 2023
- Mehr als 15 Jahre Schulleitung in Gronau
Weitere Fotos (mehr folgen in Kürze):
